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Vor der Auswanderung richtig aussortieren: 19 Tipps, die du noch nirgendwo gelesen hast (mit Checkliste)

Vor meiner Auswanderung darf ich richtig aussortieren. Ich löse unsere Wohnung komplett auf und nehme nur das mit, was ins Gepäck passt. Kein Schiffscontainer, kein Übergepäck.

Hier sind alle meine Tipps, auch die ausgefallenen, die ich beim Aussortieren vor der Auswanderung gelernt habe.

Inhaltsverzeichnis

A) Schon vor der Auswanderung richtig aussortieren

1. Sehr sehr (sehr!) früh anfangen

Beginne mit dem Ausmisten schon beim kleinsten Anflug einer Auswanderungsidee. Wenn du spürst, dass du nicht für immer und ewig an diesem einen Ort verwurzelt sein möchtest, dann lade den Minimalismus in deine Lebensgestaltung ein.

Als ich vor sechs Jahren zurück nach Deutschland kam, war bereits klar, dass dies kein Aufenthalt von unbegrenzter Dauer wird. Ich wusste noch nicht, wann und wohin ich wieder auswandern würde. Doch weil klar war, dass es eines Tages so kommen wird, habe ich mein Leben und das meiner Familie entsprechend gestaltet.

  • So hatten wir zum Beispiel nie ein Auto (und müssen jetzt keines mit Wertverlust loswerden).
  • Wir haben immer zur Miete gewohnt und haben viel Flexibilität und wenig Verbindlichkeiten oder bindende Dinge oder Situationen zugelassen.

2. Das Leben als Provisorium

Ich habe sehr wenige neue Dinge gekauft. Alle Möbel und Gebrauchsgegenstände sind gut erhaltene, benutzte Sachen, die ich günstig gekauft oder geschenkt bekommen habe. Die Möbel in unserer Wohnung haben wir zum großen Teil von unseren Vermietern übernommen. Entsprechend fällt es mir nicht schwer, mich jetzt von ihnen zu trennen.

Stöbere in Kleinanzeigen oder auf Flohmärkten, wenn du etwas brauchst. Baue dir Regale aus Kisten, ein Bett aus Paletten usw. Es ist viel einfacher, solche Dinge vor der Auswanderung auszusortieren, als sich von sehr hochwertigen, neuen Sachen zu trennen.

3. Multifunktion

Von der Permakultur, einer holistischen Art der biologischen Landwirtschaft, habe ich mich zu folgendem Grundsatz inspirieren lassen:

Alles, was ich besitze, muss mehr als eine Funktion haben.

Je flexibler und vielseitiger verwendbar Gebrauchsgegenstände sind, desto weniger Sachen besitzt du.

So kann eine Schlafcouch mit Stauraum zum Beispiel eine Gästematratze und eine Wäschetruhe ersetzen. Und mein Baby lernt mit Teelöffel und einem kleinen Glas essen und trinken. Babybesteck und -geschirr nur für die kleinste Person in der Familie habe ich noch nie gebraucht.

Vielleicht kannst du zumindest darauf achten, dass deine Neuanschaffung auch auf Reisen oder in deiner neuen Heimat nützlich ist.

4. Eins rein, eins raus

Halte deinen Hausstand konstant, indem du der strengen Regel folgst:

Für jedes Teil, das neu dazukommt, muss ein anderes gehen.

Denn:

5. Jedes Ding konsumiert deine Energie.

Jedes Mal, wenn du über eine (gebrauchte) Neuanschaffung nachdenkst, rufe dir auch in Erinnerung, dass diese Sache von dir verwaltet werden muss.

Vielleicht muss es geputzt oder gewartet werden. Nach Gebrauch muss es an seinen Ort zurückgeräumt werden, wo es einfach Platz einnimmt.

Alle Dinge, die dir gehören, bedürfen deiner Energie, deiner Aufmerksamkeit und wollen auf die ein oder andere Art “verwaltet” werden.

Diese Tatsache hilft dir vielleicht bei der Entscheidung über Neuanschaffung, Verzicht oder eine andere Zwischenlösung (wie Ausleihen, gebraucht kaufen, selber machen usw.)

6. Wertverlust beim Aussortieren vor der Auswanderung

Was du teuer gekauft hast, wirst du vielleicht nur noch für wenige Euro los. Denke bei Neuanschaffungen daran. Der Wertverlust ist höher, wenn du neue Sachen kaufst. Bei gebrauchten Dingen, die sowieso nicht viel kosten, aber noch gut erhalten sind, sinkt der Wert nicht so schnell.

Mir hat es besonders Spaß gemacht, meine Pflanzen zu verkaufen. All die Ableger, die ich von Freundinnen bekommen und gehegt und gepflegt habe, konnte ich nun für ein paar Euro mehr an andere Pflanzenfreundinnen weitergeben.

7. Ganz früh beginnen hilft dir auch beim Verkauf.

Wenn du sehr weit vor dem Auswandern mit dem Aussortieren beginnst, kannst du besonders Kleidung und andere saisongebundene Sachen leichter loswerden.

Ich schätze, ich werde auf meinen Winterjacken sitzenbleiben. Ich habe es nicht geschafft, sie rechtzeitig zu verkaufen, und im Sommer, kurz bevor wir auswandern und ich sie loswerden möchte, ist die Nachfrage denkbar niedrig.

Mit einem langen Vorlauf passiert dir das nicht und du kannst die Jahreszeiten fürs Aussortieren nutzen.

8. Bonus-Tipp: Spiele das Minimalismus-Spiel.

Um dich zu motivieren, spiele das Minimalismus-Spiel von The Minimalists.

Schließe dich mit jemandem zusammen. Am ersten Tag des nächsten Monats sortiert jeder von euch ein Ding aus. Am zweiten zwei. Am dritten drei usw.

Am Ende des Monats sollte jeder von euch 465 Dinge aussortiert haben, die dann auch wirklich den Hausstand verlassen haben sollten. Wer länger durchhält, gewinnt.

B) Die heiße Phase: Kurz vor der Auswanderung richtig aussortieren.

9. Sperrmüll

Informiere dich zuallererst über den Sperrmüll.

Kannst du Sachen abholen lassen? Was sind die Kosten? Gibt es feste Termine oder begrenzte Mengen?

An unserem Wohnort wird Sperrmüll viermal im Jahr abgeholt. Diese Termine waren die Eckdaten meines Zeitplans. Einige Möbel wollte ich vorher noch “zu verschenken” anbieten. Also leerräumen, Anzeige einstellen, verschenken. Was übrig blieb, kam bereits drei Monate vor der Auswanderung auf den Sperrmüll.

10. Stauraum

Lege ZUERST fest, wie und wo du Sachen lagern möchtest. Erst DANN kannst du mit dem Aufbewahren beginnen. (Lies das nochmal, denn das ist der Game Changer!)

Andersherum ist die Versuchung zu groß, einfach alles aufheben zu wollen und das kann teuer oder unpraktisch werden.

Miete also zum Beispiel eine Garage oder einen Stauraum, falls du viele Dinge irgendwo lagern willst. Wenn dieser Raum voll ist, musst du alles andere loswerden.

Oder beschränke dich auf ein Möbelstück. Ich werde vermutlich eine Kommode bei Verwandten in den Keller stellen. Das sind vier große und zwei kleine Schubladen, die ich mit Taufkerzen, Fotos und Steuerunterlagen fülle. Mehr Stauraum gestehe ich mir erst gar nicht zu, und so bin ich gezwungen, alles andere gehen zu lassen.

Zwinge dich, vor der Auswanderung richtig radikal auszusortieren. Ich habe schon von so vielen gehört, dass sie an mehreren Orten der Welt kleine Stauräume haben, die teilweise Geld (und oft auch Nerven) kosten, und die genau das beinhalten, was man sich dann in der neuen Heimat sowieso wieder neu gekauft hat.

vor der Auswanderung richtig aussortieren mit dem Trick hinter der Tür
„Hinter dieser Tür verbirgt sich das Geheimnis des Minimalismus.“ Ein absoluter Game Changer, wenn du vor der Auswanderung richtig aussortieren willst.

11. Zimmer frei räumen

Mache nach und nach die Zimmer deiner Wohnung komplett leer und nutze sie nur noch als Packstation, oder gar nicht mehr und vermiete sie zum Beispiel. (Oder stelle sie Freund*innen oder anderen Menschen, die aus weltpolitischen Gründen gerade ein Zimmer brauchen, zur Verfügung.)

Das ist ein ähnliches Prinzip wie oben: Wenn du weniger Fläche zur Verfügung hast, zwingst du dich selbst, auch die Dinge loszuwerden, die vorher diese Fläche eingenommen haben.

12. Schränke verkaufen, wenn sie noch in Gebrauch sind

Stelle die Möbelstücke, die Stauraum bieten, bereits zum Verkauf, wenn noch Sachen drin sind. Wenn sie nur noch für den Sperrmüll taugen, bereite sie sehr früh dafür vor.

Auch damit entziehst du dir Stauraum und bist gezwungen, die Dinge, die darin liegen, ebenfalls loszuwerden.

13. Die Kiste an der Tür

Halte eine Kiste an der Tür bereit, in der du Dinge sammelst, die du entsorgen möchtest.

Hier hinein kommen die Bücher für den öffentlichen Bücherschrank, die Gläser für den Glascontainer, die Kleidung für den Secondhand-Laden, der Krimskrams fürs Tauschregal und alle entliehenen Dinge, die du schon lange mal zurückgeben wolltest.

Diese Sachen kannst du immer mal wieder mitnehmen, wenn du das Haus verlässt.

14. Päckchen zum Nachsenden packen

Falls du doch nicht alles gleich mitnehmen kannst, dann lass dir ein paar Dinge nachschicken.

Ich packe für ein paar Familienmitglieder Päckchen mit meinen Dingen, die ich nicht sofort brauche. Sobald ich dann in der neuen Heimat ein Postfach habe, können sie mir meine eigenen Sachen hinterherschicken. Das Porto ist dann quasi ihr Weihnachtsgeschenk an mich.

Falls du das auch machen möchtest, packe diese Kisten rechtzeitig und gib sie ab.

Lass in den Päckchen auch noch Platz für ein paar Sachen, die es nur in Deutschland und nicht in deiner neuen Heimat gibt. Bei mir ist das zum Beispiel Roggenmehl, Pumpernickel und Naturkosmetik.

15. Dokumentieren und kennzeichnen

Es kann helfen, den Inhalt der gepackten Päckchen und auch der verstauten Sachen, die in Deutschland bleiben, nochmal abzufotografieren. So weißt du, was noch nachgeschickt wird und was du am neuen Ort noch nicht neu kaufen musst.

Du kannst dir auch aufschreiben, was wo drin ist. Fertige detaillierte Listen von allen verstauten und aufgehobenen Dingen an. Das klingt aufwendig, erspart dir aber das Suchen.

Stell dir vor, du hast noch ein paar Unterlagen bei deinen Freunden verstaut und aus irgendeinem Grund braucht ein Amt dieses eine Dokument. Es ist viel angenehmer, relativ schnell sagen zu können, wo genau dieses Dokument zu finden ist, als über wackeliges Internet virtuell mit deinen Freunden auf die Suche zu gehen.

Falls du, so wie ich, alles erst in Kisten packst, bevor du es loswirst, empfehle ich dir auch, die Kisten zu etikettieren.

Beim ersten Anlauf wusste ich nämlich irgendwann nicht mehr, wo ich die Kleidung für die Kleiderkammer hingepackt hatte. Ich musste erst nochmal alle Kisten aufmachen und durchwühlen und überlegen, was ich mir dabei gedacht hatte.

Auch bei den Büchern war ich mir irgendwann nicht mehr sicher. Bücherschrank oder doch noch verkaufen? Ich musste sie alle noch einmal durchgehen.

Stell dir also verschiedene Kisten für verschiedene Bestimmungen auf (Bücherschrank, verkaufen, Kleiderkammer, Altkleider-Container, bei den Kleinanzeigen einstellen, bereits bei den Kleinanzeigen eingestellt usw.) und ganz wichtig: markiere sie von Anfang an entsprechend.

16. Bonus-Tipp: Hol dir Hilfe für richtige Aussortieren vor der Auswanderung!

Hol dir rechtzeitig und regelmäßig und viel Hilfe in jeglicher Form. Ich engagiere zum Beispiel eine Babysitterin, damit ich in Ruhe aussortieren kann.

Spiele das Minimalismus-Spiel (siehe oben). Lass dir Essen bringen.

Bei wem wirst du schlafen, wenn du die Matratze weggebracht hast? Wo kannst du deine restlichen Sachen unterstellen, während du dich bei deiner Familie verabschiedest? Wer bringt welche Koffer wann zum Bahnhof oder Flughafen?

Du musst das nicht alleine machen. Bitte um Hilfe und nimm sie an.

C) Extra-Tipps und Tricks für Minimalistinnen

17. Auch digital richtig aussortieren

Während sich deine Wohnung leert, herrscht in der Cloud Chaos. Wenn du also deine materiellen Dinge aussortiert hast, ist es vielleicht auch mal an der Zeit, folgende digitalen Sachen auszumisten:

  • Fotos
  • Festplatten
  • Clouds, online Speicher
  • Email
  • Konten, Accounts
  • Lesezeichen
  • Apps

18. Nutze den Mond, um vor der Auswanderung richtig auszusortieren.

Alle Hobby-Astrolog*innen nutzen natürlich den abnehmenden Mond zum Aussortieren.

In der Zeit zwischen Vollmond und Neumond geht die Energie angeblich nach innen und hilft uns, Dinge loszulassen. Was bis Neumond nicht abgeholt oder gekauft wurde, sollte vielleicht einfach vorher noch entsorgt werden. Denn bei zunehmendem Mond fällt das Loslassen dann wieder schwerer.

19. Bonus-Tipp: Dankbare Grundhaltung

Hin und wieder gerate ich in Rage, und dann fliegt wirklich alles radikal in den Müll: Kleidung, die eigentlich nur genäht werden müsste. Souvenirs / Staubfänger. Und ja, auch die ein oder andere Kinder-Zeichnung.

In dieser Stimmung kommt irgendwie leicht Ärger und Frust auf. Ich frage mich, warum das Chaos nicht weniger wird, obwohl ich schon so viel weggeschmissen habe. Warum schenken mir Leute immer so einen Mist? Und warum müssen die Kinder jedes angeknackste Schneckenhaus mit nach Hause bringen?

Dann heißt es: Atmen und achtsam sein. Es liegt an mir, meine beginnende negative Energie einfach wie mit einem Schalter umzulegen. Und zwar indem ich wieder dankbar bin für die Dinge, die ich eben so haben durfte, die mir geschenkt wurden, die mir zur Verfügung stehen, und in denen die Kinder Zauberkräfte sehen.

Mit einer dankbaren Grundhaltung bekommt das Aussortieren vor der Auswanderung wieder einen positiven Beigeschmack und geht leichter.

D) Zusammenfassung

Beginne also möglichst früh vor deiner Auswanderung mit dem Aussortieren und gestalte dein Leben generell multifunktionell, provisorisch und minimalistisch. Arbeite dich von Groß nach Klein, von Räumen zu Möbelstücken zu all dem Krimskrams. Lass dir helfen und beziehe ruhig auch Achtsamkeit mit ein.

Checkliste

Hier findest du eine Checkliste, die dich durch alle Schritte führt.

Was davon klingt so verrückt, dass du es gleich heute noch umsetzen wirst? Schreib mir gerne!

So geht verantwortungsvoll reisen (mit Reisebingo zum Ausdrucken)

Nachhaltig, fair, respektvoll, achtsam, ökologisch, ethisch, verantwortungsvoll reisen – Was bedeutet das überhaupt?

Reicht es, seine Emissionen zu kompensieren? Oder musst du komplett aufs Reisen verzichten?

In diesem Artikel zeige ich dir, warum es so kompliziert ist, verantwortungsvoll zu reisen. Und wie viel du trotzdem tun kannst.

Verantwortungsvoll reisen
Nachhaltig, ökologische, verantwortungsvoll reisen – was ist was?

Inhaltsverzeichnis

1. Was bedeutet verantwortungsvoll reisen?

So viel steht fest: Verantwortungsvolles Reisen wird zwar oft noch als Nische oder nettes Add-On im Tourismus betrachtet. Es ist jedoch viel mehr als das:

Verantwortungsvoll reisen ist die einzige Möglichkeit, wie wir überhaupt sichergehen können, dass wir weiterhin reisen werden.

Das Privileg, reisen zu können, haben nicht viele Menschen auf der Welt. Diese Freiheit kommt mit einer gewissen Verantwortung. Diese darf sich im Verhalten der Reisenden widerspiegeln.

Denn eine Reise ist keine Einbahnstraße. Meine ganz individuelle Bewegung über den Erdball berührt viele Menschenleben. Es ist eine reziproke Angelegenheit. Denn Menschen können davon profitieren, dass ich dieses Privileg nutze, oder aber darunter leiden.

Wenn ich so verantwortungsvoll reise wie möglich, überwiegen im Idealfall die Vorteile für alle Beteiligten. Das äußert sich an meinem eigenen Verhalten und dessen Folgen für alle Betroffenen. Dazu gehören die Menschen im bereisten Land, aber auch die Umwelt.

2. Verschiedene Bezeichnungen, verschiedene Möglichkeiten

Die Liste an Stempeln oder Labels, die es so auf dem Markt gibt, habe ich oben schon genannt habe. Hier möchte ich sie ein wenig erläutern. Manches wird zertifiziert und ist geschützt, aber vieles nicht. Darum ist es wichtig, bei Anbieter*innen genau hinzuschauen: Welches Label wird verwendet und wie äußert sich das im tatsächlichen Reiseerlebnis?

Es gibt also viele Bezeichnungen, die alle in eine ähnliche Richtung gehen. Das heißt ja auch, dass sich inzwischen viele Menschen mit dem Thema auseinandersetzen. Vor allem wird daran gearbeitet, Reisemenschen viele Möglichkeiten anzubieten, um verantwortungsvoll zu reisen. Welche Bezeichnung wir am Ende wählen, ist eigentlich nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, was wir konkret bei unserer Reise davon umsetzen.

Nachhaltigkeit hat im klassischen Sinne drei Dimensionen: die ökologische, die ökonomische und die soziale Dimension. Nachhaltiges Reisen bedeutet also Rücksicht zu nehmen auf diese Dimensionen. Damit bleibt genügend Raum und Zeit für Regeneration und auch für kommende Generationen ist eine ähnliche Reise möglich.

1. Fair reisen

zielt auf den Gerechtigkeitsgedanken ab. So sollen die Vorteile, die sich aus der Reise einer bestimmten Person ergeben, gleichmäßig an alle Beteiligten verteilt werden. Das bedeutet also eine angemessene Bezahlung. Aber auch gleicher Zugang zum Tourismus oder gleichbleibender Schutz von ökologischen Ressourcen sind Themen.

2. Respektvoll reisen

bezieht sich hauptsächlich auf das Verhalten der Reisenden den Menschen und der Umgebung gegenüber, dort wo sie unterwegs sind. Dieses Verhalten sollte angemessen sein. Dies erfordert eine gewisse Sensibilität gegenüber der Kultur und den Gegebenheiten vor Ort.

3. Achtsam reisen

hat viel mit der Aufmerksamkeit des Reisemenschen zu tun. Hier geht es darum, die Sinneseindrücke und Erlebnisse an dem bereisten Ort bewusst wahrzunehmen, ohne viel zu bewerten. Beziehungsweise macht man sich auch die eigenen Bewertungen wieder bewusst.

4. Ökologisch reisen

bedeutet, auf die Natur Rücksicht zu nehmen. Das geht zum Beispiel in zertifizierten Bio-Unterkünften mit dem Schwerpunkt Naturschutz. Aber auch große Metropolen und Hotels finden dafür immer öfter innovative Lösungen.

5. Ethisch reisen

achtet darauf, was im moralischen und gesellschaftlichen Sinne „gut“ ist. Die Reise soll umwelt- und sozialverträglich sein. Idealerweise sind die Auswirkungen positiv für alle Beteiligten.

6. Anders reisen

wird gerne als Begriff genutzt für individuell geplante und umgesetzte Reisen. Sie sind nicht im großen Stil buchbar und beinhalten entsprechend kleine Nischen und außergewöhnliche, jedoch nachhaltige Erlebnisse.

7. Langsam reisen

überschneidet sich mit dem ökologischen Reisen und fällt unter den sanften Tourismus. Hier geht es um Naturschutz und Naturerlebnisse. Die Geschwindigkeit bezieht sich nicht nur auf die An- und Abreise sowie das Reisetempo allgemein. Auch Entspannung und Achtsamkeit erhoffen sich die Reisenden davon.

8. Verantwortungsvoll reisen

schließlich ist der Begriff, den ich gerne verwende. Für mich bedeutet das die praktische Umsetzung da, wo ich direkten Zugang habe. Welche Dimensionen das einnehmen kann und welche Möglichkeiten es konkret gibt, beschreibe ich als nächstes.

verantwortungsvoll reisen
Verantwotungsvoll reisen erstreckt sich auf alle Dimensionen.

3. Welche Dimensionen hat das verantwortungsvolle Reisen?

Verantwortungsvoll reisen kann auf vielen Ebenen stattfinden. Da sind zunächst einmal die klassischen Dimensionen der Nachhaltigkeit: ökologisch, ökonomisch und sozial. Ich möchte sie noch um die Dimension des Bewusstseins erweitern, weil wir als Reisemenschen dort auch sehr viel profitieren. Entsprechend gilt es, auch auf der Ebene der Selbstfindung oder der Persönlichkeit, Verantwortung zu übernehmen.

Hier sind ein paar Tipps und Ideen, wie so etwas aussehen könnte:

1. Ökologisch verantwortungsvoll reisen

  • Müll vermeiden (Trinkwasser selbst auffüllen)
  • weniger fliegen
  • Emissionen kompensieren
  • öffentliche Transportmittel
  • Wasser sparen (auf Pool und Gartenanlagen verzichten)
  • Strom sparen (auf Klimaanlage verzichten)
  • auf Nachhaltigkeitszertifikate achten

2. Ökonomisch verantwortungsvoll reisen

  • in lokal geführten Unterkünften wohnen
  • große Buchungsplattformen meiden
  • Souvenirs bei Hersteller*innen kaufen
  • Trinkgeld geben, wenn üblich
  • auf allzu knauserisches Handeln verzichten
  • lokale Guides und Fahrer*innen buchen
  • Projekte vor Ort unterstützen

3. Respektvoll und sozial verantwortungsvoll reisen

  • Sprache lernen
  • über Religion, Kultur, Geschichte informieren
  • nach der Reise in Kontakt bleiben
  • weniger planen, sich stattdessen treiben lassen und auch mal nach dem Weg fragen
  • länger an einem Ort bleiben
  • bei Gastfamilien unterkommen
  • Projekt vor Ort nach der Reise mit Spenden unterstützen

4. Achtsam und bewusst reisen

  • eigene Vorurteile und Privilegien bewusst machen
  • sich über eigene Erwartungen klar werden
  • sensibel und reflektiert fotografieren, berichten und posten
  • über globale Zusammenhänge lernen
  • Bücher, Filme und Musik von Menschen vor Ort
  • im Vorfeld mit Menschen aus dem Reiseland in Kontakt kommen
  • Umgang mit Armut im Voraus reflektieren

Du merkst, dass sich einige Punkte überschneiden. Das ist gut so und soll so sein, denn so können wir als Reisemenschen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Wenn du dich vor der Reise bereits mit Menschen deines Reiselandes austauschst, kommt das zum Beispiel nicht nur deiner Achtsamkeit zugute. Deine Reise wird durch dein so erworbenes Wissen auch respektvoller auf sozialer Ebene.

Eine kleine, lokal geführte und vor Ort gefundene Unterkunft trägt zur lokalen Wirtschaft bei. Sie ist aber vielleicht auch ökologischer als eine im Voraus über eine große Plattform gebuchte Hotelanlage.

Es gibt natürlich noch viel mehr Möglichkeiten! Ich bin gespannt, welche dir noch einfallen. Schreib gerne einen Kommentar.

Diese Liste soll jedoch nicht überfordern. Im Gegenteil. Du kannst sie hier als Bingo herunterladen und immer abhaken, wenn du etwas umgesetzt hast. So kannst du spielerisch verantwortungsvoll reisen.

verantwortungsvoll reisen
Verantwortungsvoll reisen ist nicht nur unsere Aufgabe als Reisemenschen. Institutionen tragen hier ebenso Verantwortung.

4. Wer außer mir selbst trägt noch Verantwortung?

Wichtig zu wissen ist hier auch noch, dass nicht nur wir als Reisende oder Menschen vor Ort, die direkt vom Tourismus betroffen sind, handeln können oder sogar müssen.

Politik, Wirtschaft und gesellschaftliche Institutionen spielen ebenfalls eine große Rolle. Schließlich ist auch der Tourismus in globale Dynamiken eingebunden.

Natürlich ist es wichtig, dass wir auf unseren ökologischen Fußabdruck achten. Ebenso wichtig ist jedoch, dass die Flugindustrie entsprechende Maßnahmen ergreift und die Politik in eine entsprechende Richtung steuert. Akteur*innen auf diesen Ebenen müssen ebenfalls in die Verantwortung gezogen werden. (Nur als kleine Erinnerung, falls es mal wieder viel zu überfordernd wird.)

Du siehst, es gibt oft mehr Möglichkeiten, dass wir verantwortungsvoll reisen können, als wir uns manchmal vorstellen. Welche setzt du als nächstes um? Lass es mich in den Kommentaren gerne wissen.

Eine Reise verantwortungsbewusst vorbereiten – Checkliste mit 24 Schritten

Es ist mal wieder soweit. Ich habe ein Reiseziel! Jetzt darf ich mich kümmern: Ich darf die Reise verantwortungsbewusst vorbereiten – am liebsten mit Checkliste.

Gar nicht so einfach, mit einer fünfköpfigen Reisefamilie.

Doch ich habe inzwischen ein System entwickelt, das mir in 24 kleinen, machbaren Schritten bei der Planung hilft.

Das erspart mir die Überforderung, das Chaos und die Hektik, die viele oft mit der Reiseplanung verbinden.

Ich teile es in zwei Bereiche: Reisevorbereitung fürs Herz und Reiseplanung fürs Hirn

Bei der Reiseplanung fürs Hirn kümmere ich mich um alles Organisatorische.

Mit der Vorbereitung fürs Herz gehe ich viel tiefer.

So bin ich nicht nur rechtzeitig mit allen bürokratischen Formalitäten fertig. Sondern ich komme auch achtsam, entspannt und voller Vorfreude im Reiseland an und bin mir meiner Erwartungen und Vorurteile bewusst und dementsprechend offen für alle Eindrücke und Erfahrungen.

Hier sind die 24 Schritte, mit denen du eine Reise verantwortungsbewusst vorbereiten kannst. Die Checkliste findest du unten.

Inhaltsverzeichnis

reise verantwortungsbewusst vorbereiten checkliste
So kannst du deine Reise verantwortungsbewusst vorbereiten, um die Zeit vor Ort wirklich zu genießen und tiefgreifende Erfahrungen zu machen.

Teil 1: Die Reise verantwortungsbewusst vorbereiten – mit Herz

1. Die ganz großen Erwartungen.

Als Erstes nehme ich ein weißes Blatt Papier und schreibe mal alles auf, was mir bei dem Gedanken an mein Reiseland und die Reise an sich in den Sinn kommt. Ohne Einschränkungen, ohne Richtig oder Falsch. Und vor allem, ohne vorherige Recherche. Das hilft mir, meine Vorurteile zu erörtern und später meine Gedankengänge nachzuverfolgen.

2. Sprache und Rassismus

Bei der verantwortungsvollen Reisevorbereitung ist es wichtig, sich eine offene Haltung der anderen Kultur gegenüber anzueignen. Rufe dir also die Macht der Sprache ins Gedächtnis und hinterfrage die Vorurteile, die über dein Reiseland kursieren. Woher weißt du das, was du angeblich über die Kultur und die Menschen vor Ort weißt?

3. Fotos

Ein Bild sagt mehr… Gib bei der Bildersuche einer Suchmaschine dein Reiseziel ein und überlege, was die Ergebnisse repräsentieren. Das sagt noch einiges mehr aus über die Vorurteile und Meinungen, die über das Land herrschen.

4. Musik, Bücher, Filme

Wenn du deine Reis verantwortungsvoll vorbereiten möchtest, dann stimme dich doch zu Hause schon so richtig auf dein Reiseland ein, und zwar mit Büchern und Filmen von Autor*innen und Regisseur*innen aus deinem Reiseland. Recherchiere, welche Musik dort gehört wird und höre vielleicht mal in eine Radiostation rein.

5. Exotisch und wild

Mache dir Gedanken, was an deinem Reiseland besonders exotisch und wild erscheint, und woher dieser Eindruck kommt.

Das könnte zum Beispiel „bunte Kleidung“, „wilde Natur“, „unmögliche Infrastruktur“ usw. sein.

Mach eine Liste von allem, was dir einfällt und suche dann nach anderen Impressionen, um solche oft wertenden Einstellungen abzumildern.

Könnte es also vielleicht sein, dass du ebenso Kleidung in zurückhaltenden Farben finden wirst? Und Städte, in denen nicht mehr viel übrig ist von der wilden Natur? Gepflegte Gärten und Parks? Orte, an denen die Infrastruktur funktioniert?

Wir sind vom kolonialen System darauf trainiert, zuerst das „Wilde“, „Exotische“, „Andere“ zu sehen und uns darauf zu konzentrieren. Das hilft uns, uns abzugrenzen und höher zu stellen. Wir machen das unbewusst. Diese Wertung kannst du mit dieser Übung ein wenig hinterfragen und abmildern. Dadurch öffnest du dich für die Zwischentöne in deinem Reiseland und für unerwartete Entdeckungen.

6. Extrem!

Du kannst gleich noch tiefer gehen und die Liste verlängern mit stereotypen Extremen, die du auf der Reise erwartest (wie Stromausfall, Mücken, kein fließend Wasser, usw.).

Dann recherchiere die Ursache oder den kolonialen Hintergrund dieser angeblichen Extreme.

Das bewahrt dich davor, solche vermeintlichen Extreme vor Ort zu verharmlosen, zu romantisieren oder dich als Heldin darzustellen. Denn allzu oft gelten wir dann als supermutige Abenteuerinnen, wenn wir dies oder jenes im Reiseland „überstanden“ haben.

Dieses Bild ist erschreckend nahe an den Berichten aus Kolonialzeiten.

Mit der verantwortungsbewussten Reisevorbereitung kannst du dieses Muster durchbrechen.

Schließlich werden die Menschen vor Ort nicht als Held*innen verherrlicht, und die leben – ungerechterweise – tagtäglich unter diesen Bedingungen.

7. Berichten

Überlege dir rechtzeitig, ob und wie du von deiner Reise berichten möchtest.

Wie viel davon kommt ins Internet? Und wann? Was willst du auf Instagram zeigen, was auf Facebook? Und warum?

Behalte deine Verantwortung im Hinterkopf, die du hast, wenn du über dieses Land berichtest. Wir laufen immer Gefahr, bestehende Vorurteile zu bestärken.

Nimm dir doch diesmal bewusst vor, keine Stereotype zu reproduzieren, sondern ein differenziertes Bild deiner persönlichen Erlebnisse weiterzugeben.

8. Authentisch

Gehe jetzt nochmal die Liste mit deinen Erwartungen und Vorurteilen durch. Schau, wie sie sich inzwischen verändert haben.

Erweitere sie um Grauzonen, Abweichungen und Zwischentöne, die du bei deiner Recherche gefunden hast und die der komplexen Realität ein bisschen gerechter werden.

Denn was als authentisch gilt, ist oft nur eine lange Liste an ständig reproduzierten Vorurteilen. Mit deiner verantwortungsvollen Reisevorbereitung hast du die Möglichkeit, dieses Bild zu brechen und der vielfältigen, differenzierten Realität ein bisschen näher zu kommen.

9. Missstände und Defizite

Es ist einfach, sich darauf zu konzentrieren, was nicht funktioniert in deinem Reiseland, und was fehlt. Die Medien bieten genügend Futter dafür. Suche stattdessen nach dem, was das Reiseland wirklich zu bieten hat und was es kann. Überlege dir, wie viel Expertenwissen du wirklich besitzt, um Wertungen vorzunehmen.

Solltest du also Bilder von Müll vor Ort finden (vielleicht tauchen die auch schon in der Bildersuche auf) – frage dich ehrlich: Wie viel verstehst du von den detaillierten Zusammenhängen des deutschen Mülltrennungssystems? Woher „weißt“ du, dass es die bessere Lösung ist für die Umwelt? Woher kommt „der ganze Müll“ in deinem Reiseland?

Es geht hierbei darum, sich einzugestehen, dass wir viel weniger verstehen und wissen als wir oft annehmen. Auch hier hat uns die Gesellschaft, die auf einem kolonialistischen, rassistischen System basiert, antrainiert, dass wir immer Recht haben und dass unsere Lösungen die besten sind. Dem ist aber nicht so.

Um Diskriminierung vorzubeugen und dich wirklich verantwortungsvoll auf diese Reise vorzubereiten, dürfen wir uns eingestehen, dass wir nur DENKEN, wir wüssten alles besser.

10. Wirtschaft, Politik, Geschichte

Nimm dir eine Woche lang Zeit für die Recherche über diese Themen in Bezug auf dein Reiseland. Erforsche globale Zusammenhänge und sei offen für überraschende Erkenntnisse.

Wikipedia ist hier nur die winzigste Spitze des Eisberges, ein Sprungbrett sozusagen, wenn du deine Reise verantwortungsvoll vorbereiten möchtest. Schau in News-Outlets deines Reiselandes, die es vielleicht auch in einer Sprache gibt, die du verstehst. Klick dich durch die Weiten des Internets und mache dir Notizen.

11. „Entwicklungshilfe“

Da ich oft in Gegenden des globalen Südens unterwegs bin, komme ich nicht umhin, mir Gedanken über deren Bedürftigkeit zu machen.

Wenn auch dein Reiseland außerhalb des wohlhabenden Westens liegt (und der hört eigentlich schon an den Grenzen zu Süd- und Osteuropa auf), darfst du vehement deinen eigenen „Expert*innen-Status“ hinterfragen.

Mache dir nochmal deine eigentlichen Beweggründe für die Reise sehr deutlich.

12. Arm aber glücklich?

Kennst du dieses Vorurteil?

„Die Menschen sind zwar arm hier, aber glücklich.“

Wir nehmen oft den Umweg über Menschen, die global gesehen ausgebeutet, diskriminiert und benachteiligt sind, um von ihnen zu „lernen“, wie gut es uns eigentlich geht.

Diese Haltung verschleiert nicht nur die tatsächlichen Zusammenhänge und Gründe für die Ungerechtigkeit. (Den Menschen geht es schlecht, weil unsere eigene Gesellschaft davon profitiert.)

Mit solchen Aussagen wird die Ungleichheit auch einfach als gegeben und unveränderlich präsentiert. Wir geben die Verantwortung ab, denn wir haben ja unsere Lektion gelernt und müssen „einfach nur so viel dankbarer“ sein für das, was wir haben. Das hilft aber rein gar nicht dabei, die Situation zu verändern.

Es entlässt uns nur aus der dringenden Verantwortung, unsere Privilegien für mehr Gerechtigkeit zu nutzen und einzusetzen.

Mache dir doch mal ernsthafte Gedanken zu diesem allgemeinen Vorurteil, die Menschen seien arm, aber glücklich. Sieh dir nochmal die globalen Zusammenhänge an, in die dein Reiseland eingebunden ist und beschäftige dich mit den tatsächlichen Gründen für die Armut vor Ort.

Was könnte dein möglicher Umgang damit sein?

13. Sprache lernen.

Lege dir ein paar konkrete Wörter und Sätze in der Landessprache zurecht und übe sie.

  • Wie stellst du dich vor?
  • Welche Dinge musst du unbedingt ausdrücken können?
  • Hast du Allergien oder andere Bedürfnisse?
  • Wie wirst du reisen?
  • Musst du Preise verhandeln oder nach dem Weg fragen können?
  • Wünschst du dir, zu bestimmten Unterkünften gebracht zu werden?

Sammle diese Sätze auf und übersetze sie. Das geht oft online. Und dann üben üben üben.

14. Besserwisser!

Mache eine Liste mit deinen persönlichen Werten. (z.B. Pünktlichkeit, Zuhören, Umweltfreundlichkeit usw.) Überlege dir einmal ganz genau, was du persönlich für wichtig erachtest.

Mach dir klar, dass das deine persönlichen Werte sind und keine globalen Gegebenheiten!

Erinnere dich daran, wovon du nichts verstehst (was ziemlich viel ist) und in welchen Bereichen dir überhaupt kein Expertenstatus zusteht.

Damit vermeidest du Besserwisserei, die Reisende leider so oft befällt. Es trainiert deine offene, demütige und respektvolle Haltung und ist ein wichtiger Schritt, wenn du deine Reise verantwortungsvoll vorbereiten willst.

15. Diskriminierung

Verdeutliche dir zu guter Letzt die Unterschiede zwischen struktureller Macht und Diskriminierung sowie situationsbedingter Macht und Diskriminierung.

  • strukturelle Macht: Als weiße Menschen mit deutschem Pass genießen wir viele Privilegien. Wir profitieren von strukturellem Rassismus und globaler ökonomischer Ungleichheit.
  • strukturelle Diskriminierung: Nicht privilegierte Menschen kommen nicht in den Genuss der gleichen Vorteile wie wir und haben nicht dieselben Möglichkeiten.
  • situationsbedingte Macht: Du bist vor Ort auf jemanden angewiesen, und brauchst zum Beispiel den Service von Taxifahrer*innen, um von einem Ort zum anderen zu kommen, oder von Beamt*innen zur Visumsverlängerung. Diese Menschen haben in dieser Situation ausnahmsweise mehr Macht als du, im globalen System bist du jedoch klar im Vorteil.
  • situationsbedingte Diskriminierung: Jemand vor Ort in deinem Reiseland nutzt die Situation aus und verlangt mehr Geld von dir, weil du als Tourist*in gesehen wirst.

(Diesen und viele der bisher genannten Punkte kannst du nochmal detaillierter nachlesen in der Broschüre „Mit kolonialen Grüßen…“).

Überlege dir im Vorfeld, wie du mit Situationen umgehen möchtest, in denen du dich unfair behandelt fühlst. Trainiere deinen Blick für die verschiedenen Arten von Macht und Diskriminierung und gestehe dir deine Privilegien ein.

reise verantwortungsbewusst vorbereiten checkliste
Eine Reise verantwortungsbewusst vorbereiten heißt natürlich auch, dass du dich rechtzeitig – am besten mit einer Checkliste – um alle Formalitäten kümmerst.

Teil 2: Deine Reise verantwortungsbewusst vorbereiten: die Checkliste fürs Hirn

Erst jetzt ist es Zeit, sich um die harten Fakten zu kümmern.

16. Überblick über Einreisebestimmungen

Im Moment ist es natürlich schwierig, vorausschauend zu planen, weil sich die Einreisebestimmungen so schnell ändern, wie sich die Situation eben ändert. Ich empfehle hier den Kurs „Reisen während Corona“ von give&grow. (unbezahlte Werbung)

Über die Seite des Auswärtigen Amtes kommst du zu den Seiten, die dir genau zeigen, welche Einreisebestimmungen gelten.

Welche Dokumente und Nachweise brauchst du? Wo bekommst du sie? Was kosten sie? Und wie lange dauert es, sie zu bekommen?

17. Visum, Pass, Formalitäten

Jetzt kannst du dich ganz praktisch um alle nötigen Anträge kümmern. Geh deine Liste durch und lege die nötigen Dokumente bereit. Achte auf den vorgegebenen Zeitrahmen.

Mach das in zwei Schritten, denn du brauchst erst den Überblick über alle notwendigen Kriterien und die Dauer. Und erst dann kannst du planen, ab wann du was angehst.

Das sieht für alle Länder unterschiedlich aus und hängt auch von der Art der Reise ab. Ich bereite zum Beispiel gerade unsere Auswanderung nach Kenia vor, und dafür gibt es andere Bestimmungen als für eine Camper-Reise durch Skandinavien oder Backpacking in den USA.

18. Budget

Auf budgetyourtrip.com kannst du herausfinden, welche Kosten im Reiseland auf dich zu kommen. Berechne dann auch die ungefähren Kosten für An- und Abreise mit ein sowie eventuelle Visagebühren. Schlage sicherheitshalber nochmal 30% Puffer obendrauf und du hast dein Sparziel.

  • Falls die Finanzen gerade knapp sind, kannst du überlegen, was du einerseits an Kosten loswerden kannst (günstigere Alternativen für Unterkunft und Anreise vor Ort, zu Hause auf bestimmte Ausgaben verzichten).
  • Andererseits darfst du auch kreativ werden, um mehr Einnahmen zu erzielen (Nebenjob, Dinge verkaufen).

19. Anreise festlegen und eventuell buchen

Welche Möglichkeiten zur Anreise gibt es?

Drehe an allen Stellschrauben, um den Transport so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten. Du könntest zum Beispiel die Anreise als Teil der Reise selbst betrachten und ein richtiges Zugabenteuer daraus machen. Vielleicht findest du Zwischenstationen und kannst über Land oder Wasser reisen.

Wenn du fliegst, schau nach Direktflügen. Manchmal ist bei Error Fares sowas dabei. Verschaffe dir einen Überblick und mache dir unbedingt Notizen.

Dann kannst du im richtigen Moment den besten Zug, Bus, Flug o.ä. buchen.

20. Unterkunft

Da ich eigentlich meistens bei Freund*innen übernachte, kenne ich mich nicht so gut aus, was Unterkünfte angeht.

Ich bin ein großer Fan von WWOOF und Couchsurfing. Vielleicht ist auch Housesitting was für dich.

Verzichte auf große Buchungsplattformen. Nutze Alternativen wie socialbnb oder greendoor.

Oder lege nur die erste oder die ersten beiden Nächte fest und gehe danach vor Ort auf die Suche nach lokalen Unterkünften.

21. Reiseversicherung

Kümmere dich um eine Reiseversicherung. Erste Anlaufstellen sind deine Bank und deine Krankenkasse. Dann kannst du auch andere Anbieter recherchieren.

22. Geld

Hierbei geht es darum, wie du vor Ort an Geld kommst. Hast du eine oder mehrere entsprechende Karten? Eventuell musst du auch ein paar Zahlungen pausieren oder automatisieren, während du unterwegs bist.

23. Packen

Ein paar Tage vor Abreise kannst du schon mal mit dem Packen beginnen. Vielleicht fallen dir dann noch Sachen ein, die du vorher noch besorgen musst.

Versuche jedoch, mit so wenig wie möglich zu reisen. Nur mit Handgepäck – wäre das mal eine Challenge für dich?

Nachhaltigkeit bedeutet auch, die Sachen, die man braucht, vor Ort zu besorgen und damit die lokale Wirtschaft zu unterstützen.

Teil 3: Die absolute…

24. Verwirrung!

Ein paar Tage vor der Reise erwischt er mich dann meistens: der bunte Gefühlscocktail aus Vorfreude und Schuldgefühlen, Motivation und Handlungsunfähigkeit.

Jetzt gilt es, anzunehmen und hinzuhören. Ich lasse nochmal alles Revue passieren und halte kurz inne. Ich mache mir bewusst, dass meine Reise kurz bevorsteht und untersuche, wie ich mich dabei fühle.

Für all diese Schritte nehme ich mir idealerweise sechs Monate Zeit. Aber selbst, wenn ich weniger Zeit habe, bietet das System so viel Übersicht und kleinschrittige Tätigkeiten, dass ich nie in Stress verfalle.

Mein System VorFreudeBereitung, mit dem ich meine Reisen verantwortungsvoll vorbereiten und entspannt planen kann, geht tiefer als die übliche Bürokratie und die allgemeine Checkliste. Es hilft mir – und inzwischen auch vielen anderen – jedes Mal, sehr eindrückliche Reiseerfahrungen zu machen. Ich werde meiner Verantwortung als Reisende bewusst und meine Begegnungen werden magisch.


reise verantwortungsvoll vorbereiten checkliste
So kannst du deine Reise verantwortungsbewusst vorbereiten: Checkliste und Journaling-Fragen findest du unten.

Teil 4: Ressourcen

Hier findest du eine Checkliste für deine verantwortungsvolle Reisevorbereitung.

Außerdem habe ich 24 Fragen zum Ausdrucken zusammengestellt, die dir beim Planen helfen können, dich selbst zu beobachten.

Ab 8. März 2022 startet VorFreudeBereitung im Achtsam Reisen Kollektiv. Für tiefgehende Reisevorbereitung, mit der du dich gut vorbereitet fühlst und respektvoll unterwegs sein kannst. Gib mir zwei Wochen, und wir gehen gemeinsam die letzten Schritte zu deiner achtsamen und auf allen Ebenen nachhaltigen Reise.